Radfahren und sonstige Sportarten

Es existiert bereits eine kleine Radwandergruppe. Eine jährliche Fahrradtour von ca. fünf Tagen wird für maximal acht Teilnehmer organisiert. Wir fahren keine Wettkämpfe, wollen aber auch nicht ganz unsportlich sein. Täglich können achtzig Kilometer mit Gepäck auf dem Programm stehen bei flacher oder nur mäßig hügeligen Strecke. Auch Tagestouren könnten wir unternehmen oder Teilnahmen an RTF-Fahrten für "Normalos". Anregungen, auch andere Bewegungsformen und Sportarten auszuprobieren, sind willkommen. Wer da eine Idee hat und mit anpacken will, kann sich bei mir melden ltbb@gmx.de.

Zum Bericht der Rheinweg Radtour Mai-Juni 2020: hier

Zum Bericht der Elbeweg Radtour Mai Juni 2019: hier

Rheinradtour Schaffhausen - Rotterdam (Mai 2020)

Foto: Paul aus Berlin. Er musste sein Rad - hier am Rheinfall von Schaffhausen - in Holland lassen, weil die Coronavorschriften in Holland eine Fahrradmitnahme nicht gestatteten. Davon wusste niemand. Erst bei Rückreiseantritt erfuhren Paul und Michael davon. Michael radelte kurzerhand mit dem Rad zurück nach Deutschland.

Corona hat auch die diesjährige LSF-Radtour nachhaltig geprägt. Zunächst wurde die ursprüngliche Route von Brixen in Südtirol nach Budapest - entlang der Drau und des Plattensees - durch den frühen Pandemieausbruch in Norditalien zunichte gemacht. Dann kippte auch die flugs geplante Alternativreise entlang der Maas von Frankreich über Belgien nach Holland. Für beide Touren waren schon die Hinreisetickets per Bahn inklusive Radstellplatz und einiger Hotelübernachtung gebucht. Glücklicherweise konnten diese Buchungen kostenfrei storniert werden. Lange wartete dann das Radduo, ob es einen weiteren alternativen Routenplan geben könnte. Am Schluss entschied man sich für den Rheinradweg, obwohl die Situationen in der Schweiz und Holland bei Reiseantritt am 21. Mai noch nicht eindeutig geklärt waren.

Für die seit 2007 inzwischen 14. gemeinsame Radtour reiste Paul aus Berlin nach Köln per Bahn an. Abends wurde bei einem Italiener im Belgischen Viertel schnabuliert und noch ein kurzer Spaziergang über den Brüsseler Platz gemacht. Jedenfalls hatte man das vor. Allerdings war der Platz trotz Corona derart überfüllt, dass man gleich wieder abdrehte. Wie die beiden Radler später aus der Zeitung erfuhren, war die Polizei ausgerückt und hat die Versammlung der Leichtsinnigen auflösen müssen. In der Folge wurde der Brüsseler Platz für die nachfolgenden Tage dauerhaft gesperrt.

Davon wusste das Duo bei Reiseantritt nach Schaffhausen am frühen Morgen noch nichts. Da die ursprünglich gebuchten Züge nicht fuhren, musste man auf Regiozüge umsatteln und einige Umstiege in Kauf nehmen. Erst um 15 Uhr trafen Paul und Michael im Ort des berühmten Wasserfalls ein. Nach der Besichtigung desselben und der Verweigerung, dort für eine Kugel Eis 3,50 Euro zu zahlen, radelten die beiden noch gut 50 km am rechten, sprich deutschen Oberrhein Richtung Basel entlang, um im beschaulichen Lauchringen die erste Übernachtung zu nehmen. Glücklicherweise hatte hier, wie auch an den folgenden Raststationen, die Gastronomie bereits wieder Normalmodus aufgenommen, so dass einem üppigen Carboloading nichts im Wege stand.

An den folgenden Tagen absolvierte das Duo in der Regel 100 bis 110 Kilometer. Über Bad Bellingen und Basel ging es nach Weill am Rhein, dem Dreiländereck. Obwohl die Strecke mehrfach für kurze Zeit in die Schweiz führte, gab es keine besetzten Grenzen, und das Passieren war ohne Probleme möglich, obwohl die Grenzkontrollen noch nicht aufgehoben waren. Der dritte Radtag brachte dann den großen Regen. Nach dreißig Kilometern, Nässe, Kälte und heftigem Gegenwind brachen Paul und Michael schon um 11 Uhr morgens die Tour ab und suchten sich in einem gottverlassenen Nest eine Bleibe, um den Tag gelangweilt zu Ende zu bringen und morgens dann ohne Frühstück ganz zeitig aufzubrechen. Es folgte die mit 135 Tageskilometern längste Etappe nach Freistett auf größtenteils schotterigen Pisten. Überhaupt lässt die Qualität des deutschen Rheinradwegs bis hin nach Kehl, das Straßburg gegenüberliegt, sehr zu wünschen übrig. Die französische Seite soll komfortabler sein, verbot sich aber wegen Corona. Kehl sollte dann auch der einzige Ort der Tour bleiben, wo kein Hotel geöffnet hatte. Hier herrschten offenbar strenge Auflagen, vermutlich wegen der Nähe zum Risikogebiet auf der französischen Seite. Glücklicherweise sollte der Regensamstag der einzige der Tour bleiben. Ansonsten durften sie die Biker täglich über warme und freundliche Tage freuen.

Einer der Höhepunkte der Tour war das wild-romantische Mittelrheintal zwischen Mainz und Bingen. Gleich gegenüber dem Loreleyfelsen fanden die Radler eine kleine, schnuckelige Unterkunft. Mit Blick auf die von Heinrich Heine besungene Sagengestalt wurde gespeist und ein guter Rheinwein genossen. Da man etwas hinter dem Tourplan zurück war wegen des Abbruchs der Regenetappe, und weil die Durchfahrt durch Koblenz wenig erbaulich ist, wie Michael von einer früheren Radtour wusste, überbrückte man nun vierzig Kilometer mit dem Zug, um anschließend das schöne Siebengebirge zu passieren. Nach einem Treff mit Freunden an der Siegquelle hieß der nächste Zielort nach insgesamt sieben Radtagen Köln.

Nun radelte das Duo am Niederrhein entlang und passierte bald die holländische Grenze. Hier, wo man die größten Lockerungen von Corona erwartet hatte, ging es aber gar nicht so locker zu. Maskenpflicht hatten unsere westlichen Nachbarn zwar in die Mottenkiste verbannt, aber die Gastronomie war nur insofern in Betrieb, dass man sich an der Tür etwas "to go" kaufen und auf der Straße verzehren konnte - einmal sogar ohne Besteck, was bei Spaghetti nicht einfach ist. Einmalig hingegen ist das Radfahrnetz in den Niederlanden - und entsprechend viele Radler sind unterwegs. Da kann sich Deutschland durchaus noch etwas abschneiden. Fast an allen Straßen führen beiderseits breite Radwege entlang. Diese braucht man aber gar nicht benutzen, denn zugleich ist das Netz der Radwege (Fietspad) herausragend ausgebaut. Am Pfingstsonntag erreichten Paul und Michael Rotterdam, das Ziel. In Rotterdam hatte Michael im Jahr 2000 seinen zweiten Marathon gelaufen; sein Debüt hatte er ein Jahr zuvor in Hamburg gegeben.

Eine Ärgernis erwartete das Duo am nächsten Morgen. Die holländische Bahn erlaubte es nicht, Räder mit in den Zug zu nehmen, weil man fürchtete, durch viele Räder nicht genügend Platz zu haben für Kinderwagen und Rollstuhltfahrer. Das ist verständlich, hätte man aber beim Kauf der Tickets auch kommunizieren können. Dass da die ursprünglich gebuchten Züge erst gar nicht fuhren, spielte dann schon keine Rolle mehr. Paul entschied sich, sein Rad in Holland zu belassen, um es vielleicht später einmal nach Berlin zurückholen zu können; Michael wollte das nicht. Und da er noch einen Tag mehr Zeit hatte, machte er sich auf dem Rad Richtung Deutschland auf, was 160 zusätzliche Kilometer bedeuteten. Die Zwischenübernachtung in Nijmegen und das Ticket will ihm die DB rückerstatten, wie man auf Nachfrage signalisierte. Immerhin.

Paul hat sich inzwischen ein neues Rad gekauft und hat nur vage Hoffnung, sein bewährtes Bike zurückzubekommen. Der Aufwand wäre einfach auch zu hoch. Das neue Rad indes wird schon bald zum Einsatz kommen, denn die Laufsportfreunde Köln planen schon Ende Juli, Anfang August die nächste Tour, für die bisher vier Radler angemeldet sind. Von Jena aus werden vier kleinere bis mittlere Tagestouren durchgeführt, die Saale entlang, nach Erfurt und ins Umland.

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Elbradtour 2019

Seit vielen Jahren machen zwei Radsportfreunde (Paul und Michael) einmal im Jahr für zehn Tage eine Radtour, bevorzugt an Flüssen entlang. Übernachtet wird in Gasthäusern mit speziellem Service für Radler, das Gepäck führen die beiden mit. Im Mai / Juni 2019 wurde der Elberadweg in Angriff genommen.

  • Start: Spindlermühle in Tschechien auf 700m Höhe
  • Ziel: Cuxhaven an der Nordsee, Höhe NN0
  • Länge: 1200 km, davon knapp 400km in Tschechien
  • Dauer: 12 Tage
  • Tagesdurchschnitt: 100km (Durchschnittsgeschwindigkeit 15,5km/h)
  • Kürzeste Etappe: 80km
  • Längste Etappe: 125km
  • Städte: Podebrady, Pardubice, Melnik, Litomerice, Kolin, Hradec Kralove, Usti, Decin, Bad Schandau, Dresden, Riesa, Wittenberg, Dessau, Magdeburg, Tangermünde, Wittenberge, Hamburg, Stade
  • Radführer: Bikeline 1) Elbe-Radweg Tschechien, 2) Elberadweg 1, 3) Elberadweg 2

Die meisten Radler des Elbe-Radwegs starten in Prag, fahren entlang der Moldau bis Melnik, wo diese in die Elbe mündet. Wer allerdings die ganze Elbe und die vielen schönen Städte vor der Moldau-Einmündung sehen will, startet in Spindlermühle, einem besonders im Winter beliebten Skisportort. Spindlermühle liegt nahe der tschechisch-polnischen Grenze im Riesengebirge, etwa 50 km von der Schneekoppe entfernt. Die Quelle der Elbe liegt von Spindlermühle rund fünf Wanderstunden (15 km) entfernt, kann aber mit dem Fahrrad nicht erreicht werden. Hierfür sollte man sich einen Zusatztag zum Wandern gönnen. Am Tag, als Paul und Michael die Wanderung machen wollten, war das Wetter allerdings so schlecht, dass die Touristeninformation dringend abgeraten hat. Die Wege seien unpassierbar, das Unterfangen zu gefährlich. Die Wanderung zur Quelle wir auf dem Hinweg mit einer Seilbahn verkürzt, zurück wandert man durch das Elbetal. Spindlermühle kann man von Deutschland aus mit der Bahn nicht ganz erreichen (Endstation Vrachlabi). Die letzten zwölf Kilometer hoch nach Spindlermühle muss das Rad als Fortbewegungsmittel dienen. Die Radmitnahme mit der Bahn muss vorher gebucht werden.

Der tschechische Teil des Elbe-Radwegs ist hervorragend beschildert und in gutem Zustand. Einzelne, kurze Abschnitte sind nicht asphaltiert, aber meist gut befahrbar. Die Strecke ist nahezu flach, die Bewirtungs- und Übernachtungskosten günstig und die Menschen sehr hilfsbereit. Fast 500 Höhenmeter verliert man bereits auf den ersten 75 km von Spindlermühle bis Hradec Kralové (Königgrätz). Vom Ursprung der Elbe als kleines Rinnsal verfolgt der Radler die Entwicklung zum großen Fluss auf seiner abwechslungsreichen und interessanten Reise durch die liebliche Landschaft Böhmens. Viele Burgen und Schlösser säumen die Strecke, geschichtsträchtige Städte sind zu entdecken, die einzigartigen Marktplätze der Metropolen und auch die Altstadt von Kutna Hora, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. In Usti nad labem und Decin kann man sich einen Stopp sparen, denn diese Städte sind industriell geprägt und nur wenig sehenswert.

Paul und Michael benötigten für den tschechischen Elbe-Radweg vier Tage. Bei sonst gutem Wetter gerieten sie nur einmal in einen kräftigen, aber kurzen Guss. Probleme machte hingegen eine bald defekte Felge an Pauls Hinterrad, die als solches zunächst nicht erkannt wurde und mit einem neuen Mantel und Schlauch falsch repariert wurde. Da dies in menschenleerer Gegend passiert, mussten sich die beiden provisorisch helfen, den Reifen immer wieder aufpumpen, um vielleicht zwei km weiterradeln zu können. Dabei musste Michael Pauls Gepäck auf seinen Drahtesel laden, damit die Luft nicht noch schneller entweichen würde. Glück bestand darin, dass man zwei Mal auf tschechischer Seite Fahrradläden fand, die sonntags geöffnet hatten, oder eigens aufmachten. Ein Teilstück musste Paul sogar mit dem Zug fahren, während Michael auf dem Rad blieb. Irgendwann war aber die defekte Felge ausgetauscht, und danach lief es wie am Schnürchen.

Vor und nach dem Grenzübergang nach Deutschland gehört das Elbsandsteingebirge zu den eindrucksvollsten Streckenabschnitten. Zusammen mit der Region Dresden ist der Radweg dort sehr frequentiert. Aber bald nimmt der Radtourismus ab, die Ortschaften werden weniger, kleiner und über weite Strecken sieht man kaum ein Haus. Man könnte zuweilen auch von der Einsamkeit des Langstreckenradlers sprechen. Der deutsche Teil des Radwegs ist überaus gut beschildert und oft auf beiden Seiten befahrbar. Er ist nicht ohne Grund der beliebteste Radweg hierzulande. Recht häufig überquert man die Elbe auf einer Brücke oder mittels Fähre, was eine hübsche Abwechslung ist. Wer die Kosten für die Fähre zu übernehmen hatte, spielten M+P mittels Schickschnackschnuck schon traditionell aus. Am Ende musste Michael viermal zahlen, Paul nur dreimal.

Da die beiden Radler weitgehend auf Besichtigungen und kulturelle Besuche verzichteten und nur zur Verköstigung und zum traditionellen Nachmittagskuchen vom Rad stiegen, flogen die Kilometer nur so dahin. Durchschnittlich hatte man um 16 Uhr das Tagesziel erreicht und speiste um 18 Uhr zu Abend. Gegen 21 Uhr ging es dann in die Koje, um morgens um neun wieder auf dem Rad zu sitzen. Sehr gut hat den beiden im weiteren Verlauf Magdeburg und Tangermünde gefallen. In Neu-Darschau, das auf der Höhe von Lüneburg liegt, wollte man eigentlich noch einen Freund aus Schulzeiten besuchen, doch der hielt sich leider gerade beruflich in Somalia auf.

Als sehr entspannt ließ sich die Durchfahrt von Hamburg an, nachdem hinter Lauenburg das unwegsamste Streckenstück mit einigen Höhenmeter zu absolvieren war. Die Hanseaten haben die Führung des Radweges durch die große Stadt sehr gut gelöst, so dass der Genussfaktor sehr hoch war. Hinter Hamburg blieb der gefürchtete Gegenwind glücklicherweise fast aus. Jedoch gab es auf der Tour zuvor auch einige Tage, wo er kräftig von vorne blies und einen manchmal auch etwas mürbe machte.

Die letzte Übernachtung fand in dem wunderschönen Stade statt. Dort ließ man den Tag an einem warmen Sommerabend ausklingen. Die letzten Kilometer bis Cuxhaven standen wettertechnisch unter keinem guten Stern. Heftige Schauer und zeitweise Gewitter trübten die Laune ein. Von Cuxhaven aus fuhren die beiden Radler mit dem Zug zurück nach Berlin bzw. Köln, um sich auf die Tour im nächsten Jahr zu freuen. Wahrscheinlich geht es von Brixen in Südtirol den Drau-Radweg entlang bis nach Slowenien. Der gilt als schönster Radweg in Österreich. Von Slowenien wird zum Plattensee abgebogen und zum Zielort Budapest gefahren. Das dürften dann etwa 900 km werden.

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