Radfahren und sonstige Sportarten

Es existiert bereits eine kleine Radwandergruppe. Eine jährliche Fahrradtour von ca. fünf Tagen wird für maximal acht Teilnehmer organisiert. Wir fahren keine Wettkämpfe, wollen aber auch nicht ganz unsportlich sein. Täglich können achtzig Kilometer mit Gepäck auf dem Programm stehen bei flacher oder nur mäßig hügeligen Strecke. Auch Tagestouren könnten wir unternehmen oder Teilnahmen an RTF-Fahrten für "Normalos". Anregungen, auch andere Bewegungsformen und Sportarten auszuprobieren, sind willkommen. Wer da eine Idee hat und mit anpacken will, kann sich bei mir melden ltbb@gmx.de.

Radtour Elbe Juni 2019

Seit vielen Jahren machen zwei Radsportfreunde (Paul und Michael) einmal im Jahr für zehn Tage eine Radtour, bevorzugt an Flüssen entlang. Übernachtet wird in Gasthäusern mit speziellem Service für Radler, das Gepäck führen die beiden mit. Im Mai / Juni 2019 wurde der Elberadweg in Angriff genommen.

  • Start: Spindlermühle in Tschechien auf 700m Höhe
  • Ziel: Cuxhaven an der Nordsee, Höhe NN0
  • Länge: 1200 km, davon knapp 400km in Tschechien
  • Dauer: 12 Tage
  • Tagesdurchschnitt: 100km (Durchschnittsgeschwindigkeit 15,5km/h)
  • Kürzeste Etappe: 80km
  • Längste Etappe: 125km
  • Städte: Podebrady, Pardubice, Melnik, Litomerice, Kolin, Hradec Kralove, Usti, Decin, Bad Schandau, Dresden, Riesa, Wittenberg, Dessau, Magdeburg, Tangermünde, Wittenberge, Hamburg, Stade
  • Radführer: Bikeline 1) Elbe-Radweg Tschechien, 2) Elberadweg 1, 3) Elberadweg 2

Die meisten Radler des Elbe-Radwegs starten in Prag, fahren entlang der Moldau bis Melnik, wo diese in die Elbe mündet. Wer allerdings die ganze Elbe und die vielen schönen Städte vor der Moldau-Einmündung sehen will, startet in Spindlermühle, einem besonders im Winter beliebten Skisportort. Spindlermühle liegt nahe der tschechisch-polnischen Grenze im Riesengebirge, etwa 50 km von der Schneekoppe entfernt. Die Quelle der Elbe liegt von Spindlermühle rund fünf Wanderstunden (15 km) entfernt, kann aber mit dem Fahrrad nicht erreicht werden. Hierfür sollte man sich einen Zusatztag zum Wandern gönnen. Am Tag, als Paul und Michael die Wanderung machen wollten, war das Wetter allerdings so schlecht, dass die Touristeninformation dringend abgeraten hat. Die Wege seien unpassierbar, das Unterfangen zu gefährlich. Die Wanderung zur Quelle wir auf dem Hinweg mit einer Seilbahn verkürzt, zurück wandert man durch das Elbetal. Spindlermühle kann man von Deutschland aus mit der Bahn nicht ganz erreichen (Endstation Vrachlabi). Die letzten zwölf Kilometer hoch nach Spindlermühle muss das Rad als Fortbewegungsmittel dienen. Die Radmitnahme mit der Bahn muss vorher gebucht werden.

Der tschechische Teil des Elbe-Radwegs ist hervorragend beschildert und in gutem Zustand. Einzelne, kurze Abschnitte sind nicht asphaltiert, aber meist gut befahrbar. Die Strecke ist nahezu flach, die Bewirtungs- und Übernachtungskosten günstig und die Menschen sehr hilfsbereit. Fast 500 Höhenmeter verliert man bereits auf den ersten 75 km von Spindlermühle bis Hradec Kralové (Königgrätz). Vom Ursprung der Elbe als kleines Rinnsal verfolgt der Radler die Entwicklung zum großen Fluss auf seiner abwechslungsreichen und interessanten Reise durch die liebliche Landschaft Böhmens. Viele Burgen und Schlösser säumen die Strecke, geschichtsträchtige Städte sind zu entdecken, die einzigartigen Marktplätze der Metropolen und auch die Altstadt von Kutna Hora, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. In Usti nad labem und Decin kann man sich einen Stopp sparen, denn diese Städte sind industriell geprägt und nur wenig sehenswert.

Paul und Michael benötigten für den tschechischen Elbe-Radweg vier Tage. Bei sonst gutem Wetter gerieten sie nur einmal in einen kräftigen, aber kurzen Guss. Probleme machte hingegen eine bald defekte Felge an Pauls Hinterrad, die als solches zunächst nicht erkannt wurde und mit einem neuen Mantel und Schlauch falsch repariert wurde. Da dies in menschenleerer Gegend passiert, mussten sich die beiden provisorisch helfen, den Reifen immer wieder aufpumpen, um vielleicht zwei km weiterradeln zu können. Dabei musste Michael Pauls Gepäck auf seinen Drahtesel laden, damit die Luft nicht noch schneller entweichen würde. Glück bestand darin, dass man zwei Mal auf tschechischer Seite Fahrradläden fand, die sonntags geöffnet hatten, oder eigens aufmachten. Ein Teilstück musste Paul sogar mit dem Zug fahren, während Michael auf dem Rad blieb. Irgendwann war aber die defekte Felge ausgetauscht, und danach lief es wie am Schnürchen.

Vor und nach dem Grenzübergang nach Deutschland gehört das Elbsandsteingebirge zu den eindrucksvollsten Streckenabschnitten. Zusammen mit der Region Dresden ist der Radweg dort sehr frequentiert. Aber bald nimmt der Radtourismus ab, die Ortschaften werden weniger, kleiner und über weite Strecken sieht man kaum ein Haus. Man könnte zuweilen auch von der Einsamkeit des Langstreckenradlers sprechen. Der deutsche Teil des Radwegs ist überaus gut beschildert und oft auf beiden Seiten befahrbar. Er ist nicht ohne Grund der beliebteste Radweg hierzulande. Recht häufig überquert man die Elbe auf einer Brücke oder mittels Fähre, was eine hübsche Abwechslung ist. Wer die Kosten für die Fähre zu übernehmen hatte, spielten M+P mittels Schickschnackschnuck schon traditionell aus. Am Ende musste Michael viermal zahlen, Paul nur dreimal.

Da die beiden Radler weitgehend auf Besichtigungen und kulturelle Besuche verzichteten und nur zur Verköstigung und zum traditionellen Nachmittagskuchen vom Rad stiegen, flogen die Kilometer nur so dahin. Durchschnittlich hatte man um 16 Uhr das Tagesziel erreicht und speiste um 18 Uhr zu Abend. Gegen 21 Uhr ging es dann in die Koje, um morgens um neun wieder auf dem Rad zu sitzen. Sehr gut hat den beiden im weiteren Verlauf Magdeburg und Tangermünde gefallen. In Neu-Darschau, das auf der Höhe von Lüneburg liegt, wollte man eigentlich noch einen Freund aus Schulzeiten besuchen, doch der hielt sich leider gerade beruflich in Somalia auf.

Als sehr entspannt ließ sich die Durchfahrt von Hamburg an, nachdem hinter Lauenburg das unwegsamste Streckenstück mit einigen Höhenmeter zu absolvieren war. Die Hanseaten haben die Führung des Radweges durch die große Stadt sehr gut gelöst, so dass der Genussfaktor sehr hoch war. Hinter Hamburg blieb der gefürchtete Gegenwind glücklicherweise fast aus. Jedoch gab es auf der Tour zuvor auch einige Tage, wo er kräftig von vorne blies und einen manchmal auch etwas mürbe machte.

Die letzte Übernachtung fand in dem wunderschönen Stade statt. Dort ließ man den Tag an einem warmen Sommerabend ausklingen. Die letzten Kilometer bis Cuxhaven standen wettertechnisch unter keinem guten Stern. Heftige Schauer und zeitweise Gewitter trübten die Laune ein. Von Cuxhaven aus fuhren die beiden Radler mit dem Zug zurück nach Berlin bzw. Köln, um sich auf die Tour im nächsten Jahr zu freuen. Wahrscheinlich geht es von Brixen in Südtirol den Drau-Radweg entlang bis nach Slowenien. Der gilt als schönster Radweg in Österreich. Von Slowenien wird zum Plattensee abgebogen und zum Zielort Budapest gefahren. Das dürften dann etwa 900 km werden.